Siurana – spät, aber nicht zu spät …

Hohe Erwartungen - mehr als erfüllt

Zu den größeren Irrtümern in meinem bisherigen Kletterleben gehört ganz sicher, dass ich hier noch nie war. Der große Klassiker Siurana hält auf jeden Fall alles, was man sich so verspricht und das in jeder Beziehung.

16 Tage - die allermeisten davon bei sehr gutem Kletterwetter - haben wir uns gegönnt, im Februar 2015. Sofie, Martin und ich als Stammbesatzung, verstärkt durch Achim in der ersten Woche, sowie Yvonne und Urs während der Faschningsferien. Und es hat praktisch alles gepasst. Von der Unterkunft, einer großzügigen Ferienwohnung in Cornudella, über Stimmung und  Mannschaft bis hin zu den tollen Klettertagen.

Die Umgebung und die ganze Gegend hat mich total fasziniert. Keine Riesenberge, eher hügeligig, aber mit vielen engen Tälern und im Hintergrund irgendwo der Blick aufs Meer - sehr spektakulär. Dazu eine unglaubliche Anzahl an genial auschauenden Riegeln, die beileibe noch nicht alle beklettert werden.

Tag 1, noch mit Schnee im Hintergrund; Sofie in Mort de Sana, 7a, Sianurella Centre

Sofie's erste 8a des Urlaubs: Memorias da una sepia, Sianurella Centre

Sianurella Centre

In Siurana selbst haben wir die Sektoren Siuranella Centre und Sud, Melafots, Reina Mora, Toni Gros und Piqui Pugui besucht. Die drei letzt genannten sind sehr windgeschützt und haben deshalb etwas mehr Tage abbekommen als geplant, einfach weil in der zweiten Woche permanent sehr, sehr starker Wind war. Da bläst es einen auf den Terassen der Siunarella-Gebiete fast weg, während man auf der anderen Bergseite so gut wie nichts davon merkt.

Als Kontrastprogramm zum extrem hautfressenden Klettern in Siurana erwies sich Montsant, von Cornudella auch nicht weiter viel weiter weg als Siurana. Nur die 2 km Dirt-Road und die halbe Stunde Zustieg lassen es etwas aufwändiger erscheinen. Dafür eben - obwohl in Sichtweite - kompletter Stilwechsel, Konglomerat statt Kalk, Löcher statt Leisten. Die Felsqualität im Sektor El Raco de Missa ist - man glaubt es beim Blick auf die eingebackenen Kiesel immer gar nicht - super, ich fand's besser als in der Rue des Masques (Briancon)
Lange sehr lange Ausdauerrouten dominieren, die Optik der Wände ist einfach atemberaubend. Solange das Gelände senkrecht ist, könnte man es etwas eintönig finden, aber sobald es ein bisschen steiler wird, sind die Routen - meiner Ansicht nach - in jeder Beziehung weltklasse.

DAS Team (ohne Achim) bei der Besichtigung von Arboli; im Hintergrund Siurana

Sektor El Pati

Die Bewertung in Montsant kam uns teilweise etwas inkonsistent vor. Insbsondere die steilen Routen, ab 8a, erschienen uns recht hart bewertet - kann aber auch ein falscher Eindruck sein, da Sofie's Stärke ja nicht wirklich im ganz Steilen liegt.

Urs und Sofie in Montsant

Martin (rechts) in 60m-7b+ in Montsant, unglaublich ....

Ihr Lieblingssektor war Reina Mora in Siuarana mit sehr technischen, kleingriffigen und extrem langen Kanten- und Plattenklettereien. Der erste Super-Punkt (Minimal Tecno, 8a) ging ruck-zuck im 2. Go, der zweite (Brot de Fonoli, 8a+) hat etwas mehr Invest gefordert, da eine Stelle doch markant schwerer war. Dazu kam noch eine 8a in Siunarella (Memorias da una sepia), schon am 3. Klettertag, und eine ganz Reihe 7b+ und 7c on sight. Schöne Bilanz auf jeden Fall, für den ersten Klettertrip des Jahres.

Mit meiner war ich auch ganz zufrieden. 2 7c und 5 7b+, 3 davon onsight, sind auf jeden Fall für meine Verhältnisse ein sehr guter Start. Der Ziel-7c+ vom 3. Klettertag (La crema) blieb leider unvollendet, da wir wegen dem Wind dort nicht mehr aufgelaufen sind. Bleibt also Aufgabe fürs nächste Mal.

Ruhetage gab's natürlich auch. Da erwies sich Reus als das deutlich schönere Ziel im Vergelich mit Taragona, wobei man in beiden Fällen nichts verpasst, wenn man statt dessen Felsen angucken geht. Einen einladenden Platz am Meer ohne häßliche Betonbuncker und mit etwas Beschaulichkeit, haben wir auf Anhieb nicht gefunden.

Der Barcelona-Tag war top und schon sehr eindrücklich. Die Anfahrt ist überschaubarer Aufwand und die Stadt lohnt sicher den ein oder anderen Besuch. Urs und ich haben uns den sündhaft teuren Eintritt ins Aquarium gegönnt und waren schwer beeindruckt.

die letzten Züge in Minimal Tecno, 8a

vor der Crux in Brot de Fonoli, 8a+

Brot de Fonoli, Sektor Reina Mora

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