Vercors und Aravis – Alpinwoche mit Oli im Juli 2019

Richtungsänderung: Vercors statt Dolos

Die Alpinwoche mit Oli hat ja schon eine gewisse Tradition, wir haben schon einiges zusammen erlebt. Nachdem 2018 wegen unseres Norwegen-Trips keine Zeit war, gab es in diesem Jahr wieder einen Termin, der beiden passte und so blieb nur die spannende Frage: Wo und was tun?

Wir schwankten stark zwischen dem Standardziel Dolomiten und dem Versuch in den französischen Alpen mal was ganz Neues zu probieren. Um für alle Fälle vorbereitet zu sein, hatte ich schon einige Stunden in die Führer- und Informationsbeschaffung fürs Vercors und das Aravis investiert.

Nachdem der Wetterbericht für die Dolos sehr, sehr wechselhaft blieb, entschieden wir uns für das 'französische Neuland'. Es hat sich gelohnt ... Der lange Fahrtag bis ins Vercors (>1.000 km mit schon dem ein oder anderen Stau) war nach dem ersten Bier und einem schönen Abend mit Oli am idyllischen Parkplatz vor der beeindruckenden Wand 'Les Gillardes' schnell vergessen.

Das Ziel für den Folgetag war auch schnell ausgemacht: Les premiers pas d'Elsa, eine der bekannteren Touren an dieser tollen Wand. Am Einstieg und während des Sicherns in der ersten Länge hat mich die sehr schöne und emotionale Gedenktafel der Kinder des, bei einer professionellen Klettersteigsanierung ums Leben gekommenen, Erstbegehers Bruno Martel beeindruckt und beschäftigt (wieso hab ich eigentlich kein Foto gemacht?).

Die Tour war richtig cool, anstrengend und sehr abwechslungsreich. Allein die nicht wirklich gute Felsqualität lassen mich am vierten Stern zweifeln. Es begann mit nettem Mittelmaß und steigerte sich dann zu wirklich spektakulären Passagen, wie z.B. die sensationelle Verschneidung mit anschließendem, sehr kleingriffigen Linksquergang in Länge 10. In Länge 8 hatte ich massive Probleme mit einer 7a+ Stelle, da ich ein unscheinbare aber gute Leiste irgendwie ignoriert habe.

Nach längerer Alpin-Pause waren die 14 Seillängen für uns beide auf jeden Fall ganz schön anstrengend und am Gipfelplateau stellte sich neben der Zufriedenheit schon auch massives Plättegefühl ein. Die sehr hohen Temperaturen haben da sicher das ihre dazu beigetragen. Die Wand ist nordwestseitig orientiert, wir konnten also alles im Schatten klettern und trotzdem war es warm, eigentlich schon fast zu warm.

Dévoluy, Les Gillardes - Les premiers pas d'Elsa

Schwierigkeit: 7a+ (ED)
6b,6b,6b,6c,7a+,7a(A0),6c+,7a+,6c+,6c,7a,6c+,7a,4b
1 Stelle A0 in L6 wg brüchiger Passage direkt über Stand
400m, 14 SL
6.7.2018, mit Oli
pers. Bew.: +++(+) / 3
A0 an Stelle in SL 8 und A0 am Anfang von L6, sonst RP bzw. R+
Topo: Vercors-Führer, C2C, Mussatto

Kaum hatten wir den zähen Hitzeabstieg und das sehr kühle Bad in einer Quelle hinter dem Parkplatz hinter uns, ging natürlich die Diskussion über die nächste Aufgabe los. Sie endete mit der Fahrt nach Die, einer excellenten Pizza in diesem super-sympathischen Städtchen und der nächtlichen Weiterfahrt zum Col de la Chaudière. Dort genießen wir erstmal den Vormittag und ein Luxus-Frühstück, da die angepeilte Tour - La Resistance am Roche courbe - ostseitig ist.

Nach einem recht steilen, aber überschaubaren Zustieg kommen wir immer noch zu früh am Einstieg an. Die erste Seillänge, 'nur' 6a+, startet Oli dann in der Sonne und hat mehr Probleme als erwartet. Das Ganz ist sehr unangenehm, weil großflächig brüchig. Wir wundern uns, da die Tour wirklich in allen verfügbaren Info-Quellen hochgelobt wurde. Die Längen 2 und 3 entschädigen dann mit wirklich toller Kletterei. Am Ende von Länge 4 kommen wieder so große lockere Blöcke. Entweder sind wir an diesem Tag überempfindlich (wir sind ja eigentlich den vielen Schotter aus den Dolos gewöhnt) oder die 'Routenkritiker' haben das einfach ignoriert. Blöderweise fängt es dann auch noch zu regnen an und wir müssen etwas überraschend zum Rückzug blasen. Schade, trotzdem unter dem Strich ein schöner Tag und am Abend bleiben wir am super-schönen Parkplatz des Col de la Chaudière mit dem Traumblick auf das Glandasse-Massiv, wohl ganz sicher eines der Ziele für die nächsten Jahre.

Roche Courbe - La Resistance

Schwierigkeit: 7a (ED-)
6a+,6c,7a,6b,6b, 5b+, 6b+,6c,6a+,5b
250m, 10 SL (8+2)
7.7.2018, mit Oli
pers. Bew.: +++ / 3
geklettert bis L5 (dann Regen), alles RP bzw. R+
Topo: Vercors-Führer, C2C, Mussatto

Am Ruhetag reisen wir nach Norden, der Wetterbericht sagt für das Vercors schlecht, weiter nördlich in der Aravis-Region aber deutlich besser. Also wieder ein paar Stunden Fahrt mit einem ganz netten Sightseeing-Zwischenstop im schönen Annecy. Am Abend dinieren wir wieder in toller Umgebung am Col des Annes und nehmen am nächsten Morgen gut erholt den gut eineinhalbstündigen Zustieg zum Gramusset in Angriff.

Zauberberg heißt die Route unserer Wahl, wärmstens empfohlen von meinem Bruder und den einschlägigen Foren. Sie ist auch wirklich richtig gut: Bombastische Felsqualität, tolle Linie, superlange Seillängen. Das Klettern ist sehr, sehr technisch. Die Mikro-Strukturen fordern die Fingerhaut und eine ruhige und umsichtige Fusstechnik. Allein Länge 3 lässt sich etwas raumgreifender Klettern.

Auf jeden Fall eine coole Tour, auch wenn sie 'nur' 5 Seillängen hat. Beim Abseilen stellen wir uns ziemlich doof an und nehmen die falsche Abseilpiste, was viel Zeit kostet und wir kommen dabei auch noch in leichten Regen. Beim Abstieg, der von einer schönen Begegnung mit drei wenig scheuen Steinböcken aufgelockert wird, regnet es dann richtig und wir werden klitschnass.

Aravis, Gramusset - Zauberberg

Schwierigkeit: 7a (ED)
7a,7a,6c+,6b,7a
190m, 5 SL
9.7.2018, mit Oli
pers. Bew.: ++++ / 2
jeweils 1 Hang in L1, L2 und L5

Weiter geht's, um die Araviskette herum ins Vallée de l'Arve. Die Fahrt ist diesmal sehr überschaubar, die Pizza in Cluses nicht so überzeugend wie in Die und der Übernachtungsplatz mitten im Örtchen Romme wieder sehr exklusiv. Ein sehr nettes älteres Ehepaar am Parkplatz im Ort erläutert uns eindringlich, dass wir nicht wie geplant bis hoch zu den Einstiegen bzw. den Abseilstellen fahren könne, da die Forststrasse von einem Sturm hart beschädigt wurde.

Am nächsten Morgen probieren wir es doch - lauffaul wie wir nun mal sind - und es geht mit Olis VW-Bus dann auch recht problemlos. Mit dem Ducato wäre es aber auf jeden Fall an einige Stellen zu eng geworden. Die Verwüstungen des Sturm beschäftigen uns dann aber doch noch und zwar intensiv. Die Suche nach dem Fussweg nach unten scheitert komplett an den umgestürzten Bäumen, die erste von zwei Abseilstellen erreichen wir dann aber doch nach kurzem Kampf durchs Gestrüpp. Da wir am Abend aber bei der zweiten Abseilstelle wieder hochkommen müssen wir uns mehrere hundert Meter wieder nach vorne kämpfen (im wahrsten Sinne des Wortes), teilweise durch brusthohes Gewächs und teilweise durch entwurzelte Baumriesen - ein echtes, aber verzichtbares Abenteuer.

Dazischen lag die Tour der Woche: Quand on tue le cochon, tout le monde rit, sauf le cochon. Der Name für Vegatarier weder passend noch zutreffend, aber die Tour selbst ein echtes Highlight. 6 lange und abwechslungsreiche Seillängen, homogen im oberen 6. Franzosengrad (wir fanden alles eher schwerer als leichter ...) mit wirklich toller Kletterei. Dann eine sehr spannende 7b+, die wir aber wie erwartet nicht punkten konnten und dann noch drei etwas leichtere, aber klettertechnisch immer noch anspruchsvolle Längen. Dannach und vor allem nach dem besagten Dschungelkampf waren wir richtig alle. Am Ausstieg gabs zur Belohung noch einen sensationellen, mit tollen Wolkenbild garnierten, Blick aufs Mont-Blanc-Massiv. Was für ein Tag.

So richtig aufhören wollten wir noch nicht, aber größere Heldentaten gaben die Finger nicht mehr her. Die Wahl fiel auf eine moderate Route im Sektor Balme: Un aprés-midi du chien. Und die Wahl erwies sich als perfekte. Eine eher klassische Linie mit tollen Verschneidungen und 5 schöne Seillängen, durchgängig 6b/6b+. Kurios der Einstieg über einen unter einem Überhang herausgewachsenen, ziemlich glatten Baum. Kurios und auch anstrengend - der Rest war dann purer Genuss. Ein toller Abschluss der Kletterwoche, dem nur noch unsere traditionelle 2er-Abschlussparty folgte.

Vallee de l'Arve, Les Vuardes - Quand on tue le cochon ...

Schwierigkeit: 7b+ (ED+)
6b+,6b,6c,6c,6c,6b,7b+,6a+,6a
280m, 9 SL
10.7.2018, mit Oli
pers. Bew.: +++++ / 2-3
jeweils 1 Hang in L4 und L5

Vallee de l'Arve, La Balme - Un apres-midi de chien

Schwierigkeit: 6b+
6b (Einstieg über Baum und A0),6b+,6b,6b,6b
180m, 5 SL
11.7.2018, mit Oli
pers. Bew.: ++++ / 2
alles RP bzw. R+

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